Stahlkörper und Wandteil „Lobby: the situation room( )“ – Anatomie der Medizinischen Universität Graz


Im Jahr 1986 gestaltete Gustav Troger die Eingangshalle des neuen Zubaus zur ehemaligen Pathologischen Anatomie am Gelände des Landeskrankenhauses Graz künstlerisch aus.

Das Werk nahm und nimmt auch heute noch Bezug auf die ausgeübten Tätigkeiten in dem Gebäude: wissenschaftliche Erforschung von Einzelphänomenen, als auch Symptomverbänden sowie Missbildungen aller Art. Die Pathologie untersucht die Herkunft, die Entstehungsweise, die Verlaufsform und die Auswirkungen von Krankheiten einschließlich der jeweiligen Vorgänge im Körper. Zu den Aufgaben eines Pathologen gehören unter anderem die Untersuchung von Gewebs- und Zellproben sowie die Durchführung von Obduktion. Dem folgend legte Troger die Wand bis zum Ziegelwerk frei und präsentiert eine scheinbar entnommene Probe überdimensional groß.

Aufgrund von Umbauarbeiten am Gebäude wurde das Kunstwerk 2020 demontiert und 2022 neu installiert. Ganz im Sinne seiner Objekt- und Installationskunst gibt Troger der Malerei eine neue raumbezogene Dimension: Der Stahlkörper nutzt die gesamte Raumhöhe und ermöglicht so eine markante Verbindung von Raum und Kunstwerk. Ursprünglich war die sich zur Mitte verjüngende Stahlkonstruktion mit wenig Abstand vor der Wand aufgestellt und reichte vom Boden zur Decke. Auf einem senkrecht unverputzten Wandbereich direkt hinter der Skulptur befand sich der Länge nach ein gemalter blauer Streifen.

Der neue Aufstellungsort des Objekts befindet sich neben der Treppe zu den Hörsälen. Die freistehende Skulptur ist etwas weiter in den Raum gerückt und wurde an den beiden Enden verlängert. Ganz bewusst ist der Strang oben und unten nicht verschliffen, um als „Zeitfragment“ wirken zu können und Schwebe zu suggerieren.  Die blaue Farbe verläuft nun nicht mehr mittig durch den freigelegten Ziegelstreifen der Wand, sondern am rechten Rand entlang. Auf der linken Seite zeichnet sich der Schatten des Stahlkörpers ab. Das Kunstwerk bietet nun durch seine Beschaffenheit Möglichkeiten für temporäre Interventionen. Dies ließ den Künstler zu dem neuen Titel „Lobby: the situation room(   )“ finden.

Nach eigenen Aussagen, versucht Gustav Troger, nach einem 30-jährigen Kunstschaffen – einem Don Quijote gleich – solche Kontextkunst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aus diesem Grund lädt er auch häufig Menschen zur Partizipation ein.

Geboren 1951 im steiermärkischen Kohlschwarz, lebt Gustav Troger derzeit in Los Angeles, San Francisco und Graz. Er arbeitet als Bildhauer, Grafiker, Maler und entwickelt Installationen sowie Performances.