Wettbewerb BG/BRG Sillgasse Innsbruck


Habima Fuchs konnte am 12. März 2021 den von der BIG geladenen Kunst & Bau-Wettbewerb für das BG/BRG Sillgasse in Innsbruck für sich entscheiden.

Die Jury begründete die Entscheidung wie folgt:
„Auf der Grundlage der Fünf-Elemente-Lehre schafft Habima Fuchs mit fünf Glasobjekten eine künstlerische Brücke zwischen Naturwissenschaft, Mathematik und Kulturwissenschaft und verleiht damit den inhaltlichen Schwerpunkten der Schule ein Gesicht mit hohem Identifikationsfaktor, das die jahrhundertealte Tradition des Tiroler Glashandwerks in die Gegenwart trägt. Darüber hinaus entwickelt die Künstlerin ein farbliches Leitsystem, das – als vertikale Linie durch das Gebäude gezogen – einen bereits im Erdgeschoss in Empfang nimmt und jeweils Orientierungspunkte auf den fünf überirdischen Stockwerken der Schule schafft. Nicht zuletzt durch die zarten farbigen Projektionen auf den Böden, die sich mit den Tages- und Jahreszeiten verändern, werden eindrucksvolle Synergien zum architektonischen Glasflächen-Tageslicht-Konzept entwickelt, farbliche subtile Bewegungen mit analogen Mitteln im Bau geschaffen und gleichzeitig die Wahrnehmung von Naturphänomenen und dem Wandel in der Natur geschärft.“

Siegerprojekt: Comprising the Universe


Die Arbeit von Habima Fuchs schafft mit ihrer Verbindung von Spiritualität, künstlerischer Darstellung und Mathematik einen spielerischen Bezug zu den natur- und kulturwissenschaftlichen Schwerpunkten der Schule. Sie entwirft mathematisch-geometrische Darstellungen der 5 Elemente durch Platonische Körper und stellt in jedem der fünf oberirdischen Stockwerke ein Vitrage-Objekt in den Raum. Jedes Geschoss ist dabei einem Element/Platonischen Körper und einer Farbe zugeordnet, wodurch sich eine vertikale Linie durch das Gebäude zieht und Orientierungspunkte schafft. Die in traditioneller Handwerkstechnik ausgeführten Glasbilder zeichnen – in den Lernzonen als autarke Objekte nahe der großen Fensterflächen positioniert – bei Sonneneinstrahlung ein sich ständig veränderndes subtiles Bild auf den Boden.

Zirkadiane Lichter


Die Installation verfolgt den spielerischen Ansatz, das natürliche Lichtschauspiel der irdischen Atmosphäre in abstrahierter Form mithilfe projizierten Lichts wiederzugeben. Dazu werden Fotografien des Himmels unterschiedlicher Tages- und Nachtzeiten analysiert und empirisch nach Tageszeiten, Farben und Kontrasten zerlegt. Unterschiedliche Lichtstimmungen bilden die Farbpalette für mehrere im Gebäude verteilte Lichtinstallationen. Jede Installation besitzt ihren eigenen Zyklus, der sich täglich wiederholt und variiert. Die Zirkadianen Lichter wirken auch aus dem Inneren der Architektur nach außen, sie erzeugen Stimmungen und ordnen den Raum unter. Tagsüber vermag die vorhandene Lichtmenge die Skulpturen weitgehend einzugrenzen. Doch je weniger Umgebungslicht vorhanden ist, desto deutlicher wird die Ausbreitung wahrnehmbar.

ohne Titel


Die Arbeit geht aus von persönlichen Erfahrungen als Gastarbeiterkind aus dem ehemaligen Jugoslawien: aus der Vogelperspektive betrachtet, sehen wir den Kopf und unsere Schultern sowie die transparente Dynamik der Bewegungen. Die Frage nach Herkunft und Zugehörigkeit erübrigt sich und Vorurteile werden zunichtegemacht. Diese transparente Dynamik ist Fokus für die Umsetzung der vorgeschlagenen abstrakten Wandgestaltung. Sie soll den SchülerInnen eine Auszeit von ihren didaktischen Anstrengungen bieten und sie zu mehr Unbeschwertheit inspirieren. Die Ausführung der Wandmalerei erfolgt mit schwarzer Rohrer-Tusche, bearbeitet werden Wände im Eingangsbereich und in den zentralen Lernzonen der oberen Geschosse, die sich Richtung Dachkonstruktion auflösen.

SOTTSI (ein Baukastenspiel)


Basierend auf dem Prinzip eines modularen Stecksystems wird ein Baukastenspiel entwickelt, das adaptiv die unterschiedlichen Aspekte des Schullebens nicht nur thematisiert, sondern auch aktiv mitgestaltet. Vier Glasvasen des Architekten und Designers Ettore Sottsass (geboren in Innsbruck) dienen als Ausgangspunkt für den Entwurf. Die Designstücke werden auf einzelne Formen reduziert, abgeflacht und aus lichtdurchlässigen Polycarbonatplatten in unterschiedlichen Farben gefräst. Mit den so entstandenen Bausteinen lassen sich 40 in das Gebäude verteilte säulenartige Konstruktionen bespielen. Das Stecksystem erlaubt einen flexiblen Umgang mit Form und Farbe, freies kompositorisches Denken und das Schaffen einzelner Skulpturen bzw. Skulpturengruppen, und stellt gleichzeitig ein Instrument für den (Kunst-)Unterricht bereit.

AUFSTIEG


Der Projektidee geht die Grundbestrebung voraus, mit den Protagonisten der Schule zu interagieren, ohne jedoch zu sehr in das Gefüge der Architektur einzugreifen. An den Deckenflächen des zentralen Treppenaufgangs wird ein Deckenfries aus Dibondspiegeln angebracht, der sich vom Erdgeschoss bis zum letzten Obergeschoss durchzieht. Die Spiegelflächen sind mit Abbildungen von Astronauten bedruckt, die durch Schläuche miteinander verbunden sind. So soll das Treppenhaus, das an sich eine Skulptur im Raum darstellt, zu einer interaktiven Skulptur erweitert werden. Die architektonische Komponente des Treppenaufganges wird scheinbar aufgebrochen und der Raumbegriff durch die Spiegelebene erweitert. Die Spiegelung der Stiege verdeutlicht deren Symbolkraft und verweist metaphorisch auf den unterschiedlichen „Aufstieg“, den ein heranwachsender Mensch im Bereich der Bildung und Persönlichkeitsentwicklung erfährt.

Baumdiagramm


Eine Schule ist ein System mit vielen einzelnen Strukturelementen, die tagtäglich ineinandergreifen und abwechselnd, oder miteinander, zur Geltung kommen. Getragen wird es von einer Vielzahl von Personen – SchülerInnen, Lehrkräfte, Eltern, weiteren Schulbediensteten – die unablässig miteinander im Austausch stehen. Das Projekt möchte die Struktur des BG/BRG Sillgasse anhand der unterschiedlichen Bereiche und ihrer AkteurInnen betrachten und erkunden. Aussagen aus Gesprächen mit einzelnen Personen sollen in einem als Wandmalerei ausgeführten „Baumdiagramm“ verzeichnet werden und mit Zitaten zu den Schwerpunktthemen der Schule verbunden werden. Der entstehende „Blatttext-Teppich“ soll verschiedene Sichtweisen, Interessen und Arbeitsbeschreibungen umfassen, entsprechend der unterschiedlichen Blickwinkel auf die Schule und das Schulwesen im Allgemeinen.

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