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Zeitbogen – Lehr- und Bürogebäude Universität Innsbruck

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Es ist beides - sowohl ein konzeptuelles Phänomen als auch ein Phänomen der Wahrnehmung, die Freude an der subtilen Kombination von Auge und Verstand, die den Menschen für Muster so empfänglich macht. Frei übersetzt aus: Douglas R. Hofstaedter: Metamagical Themas 1985*

Eine minimalistische und zugleich starke plastische Geste schafft der Bildhauer Peter Sandbichler für das Haupteingangsportal des neuen Universitätsgebäudes in Innsbruck. Seine rund 120 m² große skulpturale Intervention zielt auf die Relation von Sehen und Wahrnehmen als Grundlage von wissenschaftlichem Denken ab – sie ist ein dreidimensionales Ornament aus Grundbausteinen, die in der Wiederholung jeweils nur wenige Parameter variieren, sodass das Auge die graduelle Veränderung nachvollziehen kann. Sandbichler bezieht sich damit auf die Parquet Deformation des Physikers Douglas R. Hofstaedter, der 1985 aufzeigte, dass durch die allmähliche Transformation eines Musters ein zeitliches Moment entsteht. Durch Überschneidung und Rotation von Kreisen entsteht in der Schnittfläche des Bogens ein Muster aus Pyramiden mit einem rautenförmigen Grundriss. Diese falten sich entlang des Kreisbogens wie ein Gebirge auf, wobei die Segmente in Bodennähe flach beginnen und im Zentrum des Bogens immer tiefer werden.

Das dreidimensionale Ornament macht aus einem funktionalen Zugangsbereich ein Portal mit starker räumlicher und atmosphärischer Wirkung nach innen und außen. Indem er hier, am zentralen Eingang zum Universitätsgebäude, Geistes- und Naturwissenschaften auf anspruchsvolle Weise zusammenführt, schafft er eine abstrakte Metapher für den Zugang zu Bildung und Wissen, für die Komplexität der Wissenschaften und erzeugt gleichzeitig einen physisch erfahrbaren, atmosphärischen Raum. Das Ornament schreibt sich in die Architektur des Gebäudes ein und benennt in einem holistischen Ansatz die Universität als Ort der Einheit von Forschung und Lehre.

*It is both a perceptual and a conceptual phenomenon, a delight to the subtle combination of eye and mind that is most sensitive to pattern (Douglas R. Hofstaedter: Metamagical Themas 1985)