Im Jahr 1995 realisierte Werner Würtinger über die gesamte Höhe des zentralen Stiegenhauses im Loschmidt-Trakt am TU Campus Getreidemarkt eine Installation mit farbigen Fliesen: Vom zweiten Untergeschoß bis zum fünften Stockwerk sind je eine lachsfarbene und eine rote Farbfläche nebeneinander angebracht. Würtingers Entwurf für das TU-Gebäude kann als eine der ihn typischen „raumsparenden Skulpturen“ verstanden werden – sie eignet sich ideal für den Universitätsbau mit seinen unterschiedlich ausgeführten Türen, Fensterflächen, Beleuchtungskörpern und anderen zweckmäßigen Einbauten. Im Stiegenhaus fand der Künstler eine der wenigen ruhigen Wandflächen vor, die er mit seiner monumentalen Gestaltung in ihrer statischen Wirkung unterstützt. Ganz im Sinne des Konstruktivismus lässt sich hier die autonome Wirkung von Farbe und Form ablesen.
Die Wandgestaltung im Stiegenhaus steht mit einem weiteren Objekt des Künstlers am Dach desselben Gebäudes in Verbindung: Mittels ähnlichen Farbtönen interpretiert dort die Lichtinstallation 24 Stunden Glühen das sogenannte „Alpenglühen“, eine optische Erscheinung, die in der Bergwelt bei Sonnenauf- oder -untergang auftreten kann.
Beide Installationen mussten in den letzten Jahren einer Sanierung unterzogen werden: An der Wandgestaltung hatten sich über einen längeren Zeitraum zahlreiche Fliesen gelöst, die Leuchtkörper des Dachobjekts waren nicht mehr in Funktion. Um die zu ersetzenden Fliesen bestmöglich an die vorhandenen anzupassen, wurde der spezielle lachsfarbene Farbton in Absprache mit dem Künstler eigens in einem spanischen Werk hergestellt. Auch die Leuchten konnten Ende 2025 wieder instandgesetzt werden und lassen nun das Leuchtobjekt so erstrahlen, wie es sein Titel impliziert.
Werner Würtinger wurde 1941 in Hallein (Salzburg) geboren. Von 1959-1964 studierte er Bildhauerei bei Fritz Wotruba an der Akademie der bildenden Künste in Wien, an der er selbst von 1975-2003 lehrte und so großen Einfluss auf die folgende Künstlergeneration ausübte. Von 1995 bis 1999 stand er der Secession als Präsident vor. Er lebt und arbeitet er als freischaffender Künstler in Wien.