Wettbewerb Justizanstalt Klagenfurt


Aus dem geladenen künstlerischen Wettbewerb für die Justizanstalt Klagenfurt ging am 24. Oktober 2025 das Projekt von Iris Andraschek als Sieger hervor.

Die Jury begründete ihre Entscheidung wie folgt:

„Der Titel der Arbeit, The Times They Are A-Changin’, ist Bob Dylans legendärem Song entlehnt – heute Zeugnis der Protestbewegung einer jungen Generation der 1960er Jahre, die einen Wandel der gesellschaftlichen Normvorstellungen forderte. Er kann als programmatisch für das künstlerische Konzept gesehen werden: Iris Andraschek hat ein offenes, modulares System von geometrischen und gestisch abstrakten Farbräumen entwickelt, mit denen sie einzelne zentrale Wände der Justizanstalt im Innen und Außenraum bespielt und zur Mitgestaltung einlädt.
Der Entwurf von Iris Andraschek zeichnet sich durch eine hohe Sensibilität für die gesellschaftlichen wie gleichermaßen für die subjektiven Dimensionen der Funktion des Strafvollzugs aus. Im Wechselspiel zwischen klar definierten Farbfeldern und gestischer Malerei schafft sie imaginäre Räume an den sozialen Schnittstellen der neuen Justizanstalt Klagenfurt, die von unterschiedlichen Gruppen, wie Insass*innen, Justizbeamt*innen, Besucher*innen und Jurist*innen genutzt werden. Gleichzeitig verbindet sie das Innen der Architektur mit dem Außen, formt einen alternativen Übergang zwischen unterschiedlichen Alltagssituationen und Ordnungssystemen und verneint stereotype Zuordnungen in der Außenwirkung des Gebäudes. Zusätzlich öffnet der partizipative Ansatz, die Formen der Schablonen in Workshops mit Insass*innen zu erarbeiten, einen Dialog und ergänzt das Projekt durch eine interaktive, soziale Ebene.“

Knelfie


Knelfie bezeichnet ein „Selfie im Knast“. Eine Fotostation im Allgemeintrakt soll Inhaftierten die Möglichkeit bieten, Selbstporträts von sich anzufertigen. Diese Selbstporträts werden auf drei LED-Bildschirmen im Verwaltungstrakt präsentiert, sodass sie von Bediensteten und Besucher*innen für einen vorgegebenen Zeitraum gesehen werden. Für die Inhaftierten eröffnet das Selbstporträt als ein Akt der Selbstermächtigung die Möglichkeit, auf ihre Situation zu reagieren, in eine andere Rolle zu schlüpfen oder einen bestehenden Status quo zu markieren. Im Selbstbild können sie sich selbst inszenieren und das durch die Veröffentlichung hervorgerufene Feedback sichtbar machen und festschreiben. Damit steht das Selbstporträt im bewussten Gegensatz zu den fremdbestimmten Darstellungen, die im Verlauf eines Strafverfahrens entstehen, und vermittelt eine selbstgewählte, eigenständige Identität.

SCHWERELOS


Die Motive der vorgeschlagenen Gemäldeserie für die Wände in Eingangsbereich und Gängen beruhen auf tatsächlich existierenden und fabelhaften Wesen aus der Tier- und Pflanzenwelt. Das Gesamtbild wird fragmentiert und zieht sich in fensterartigen Teilstücken durch das ganze Gebäude. Sie empfangen die Betrachtenden an der Außenmauer in Form von bemalten Fliesen und treten im Inneren an unterschiedlichen Wänden als Malereien in Erscheinung. Die Gemälde sollen zu Projektionsflächen für die Wahrnehmungen und phantasievollen Deutungen der Betrachtenden werden. Sie nutzen die Fähigkeit der Kunst, zu stimulieren und neue Formen der Beziehung zwischen den Dingen zu schaffen. Die Tierdarstellungen wirken in ihrem wertfreien Nebeneinander befreiend und anregend, die vielfältigen Details ermöglichen bei jedem Betrachten neue Entdeckungen.

Stützpunkt der Gedanken


Vorgeschlagen werden zwei Varianten von Wandgestaltungen in Email: Variante eins ist ein abstraktes Bild, das eine enorme Anzahl an Variationen zulässt. Vertikale drehbare Metallstäbe, fix in Boden und Decke verankert, werden auf allen vier Seiten verschiedenfärbig emailliert. Durch Drehen der Stäbe ergibt sich eine fast unendliche Zahl möglicher Farbkombinationen und damit unterschiedlicher Bilder. Die Gestaltung soll dem natürlichen Bedürfnis nach Raumveränderung für Insass*innen und Personal entgegenkommen und der Gleichförmigkeit des Haftalltags entgegenwirken.
Die zweite vorgeschlagene Variante sieht ein Bild auf emaillierten Tafeln vor, auf dem durch grafische Elemente Fenster, Öffnungen, Ein- und Ausblicke dargestellt werden. Die dazwischen ziehenden Wolken stehen als Symbol für Träume, Bewegung und Veränderung. Der dieser Idee zugrundeliegende Roman Schachnovelle von Stefan Zweig gehört zum Kanon der Weltliteratur und befasst sich mit den psychologischen Auswirkungen von Gefangenschaft und Isolation.

ohne Titel


Der künstlerische Entwurf kombiniert eine Wandgestaltung an der Außenmauer mit einer Bespielung der Gangflächen im Innenraum. Die Gestaltung soll dazu einladen, über den Begriff der Freiheit nachzudenken. Mittelpunkt der Überlegungen ist das Motiv des Fensters: Fenster stehen im Kontext einer Justizanstalt nicht nur für Licht und Durchblick, sondern auch für Grenze(n), Kontrolle und den Blick nach draußen in die „Freiheit“.  Die gewählten Farben sind bewusst freundlich: So lässt das helle Blau der Deckenflächen an einen frühlingshaften Himmel denken, während das für die Wände vorgesehene Grün die Kraft der Natur, Entspannung und im symbolischen Sinn eine Basis für neue Pläne (in Freiheit) vermitteln soll.

Hortus Herbularius


Vorgeschlagen wird eine Serie von Ölgemälden, die verschiedene, malerisch abstrahierte Heilpflanzen darstellen. Als Inspiration für das Konzept diente der mittelalterliche Klostergarten, der als Metapher für das Leben und Arbeiten in der Justizanstalt verstanden werden kann: Die Gestaltung möchte dazu anregen, die Arbeit im Justizvollzug aus einem alternativen, fürsorglichen Blickwinkel wahrzunehmen. Die Vielfalt der Pflanzen ist als etwas Positives zu verstehen, von dem der Garten und die Gärtner*innen gleichermaßen profitieren. So soll auch das Verständnis eines Gefängnisses als ein Ort der Besserung, der im Idealfall zur Resozialisierung führt, unterstrichen werden. Dabei vermeidet es die Garten-Metapher bewusst, zu verniedlichen oder zu pathologisieren. Wie gut die Pflanzen in einem Garten gedeihen, ist von vielen Dingen abhängig, aber eben auch von der Fürsorge und dem Wissen der Gärtner*innen. So sehr man sich auch um die Pflanzen bemüht – letztlich ist es manchmal Zufall, ob das Unterfangen von Erfolg gekrönt ist oder nicht.