Restaurierungsfortschritte im Theatrum Sacrum


Das groß angelegte Restaurierungsprojekt in den Klausurgängen des ehemaligen Ursulinenklosters in der Wiener Innenstadt – heute als Studierendenheim genutzt – ist wieder einen Schritt weiter.

In den Korridoren des dreistöckigen Gebäudes befindet sich eine bemerkenswerte Sammlung von großen freistehenden und bunt gefassten Holzfiguren. Sie stehen in 41 rundbogigen, verglasten Nischen, die mit Wandmalereien sowie mit Leinwänden ausgestattet sind und räumlich wirkende Szenen zeigen. Bei den Heiligenfiguren handelt sich unter anderem um Jesuiten, Dominikaner, Franziskaner, Bischöfe, Märtyrer und Märtyrerinnen. Sie führten alle ein beispielhaftes Leben und wurden von den Ursulinen als Leitbilder verehrt. In ihrer Gesamtheit sind sie ein „Heiliges Theater“.

Sie entstanden in der Mitte des 18. Jahrhunderts für die streng geschlossene Wohngemeinschaft der Schwestern des Ursulinenordens. Aus diesem Grund lag es lange Zeit im Verborgenen. Durch den enormen Umfang und die außerordentlich hohe Qualität der Kunstwerke stellt das Theatrum Sacrum ein echtes kulturhistorisches Highlight dar – und ist entsprechend erhaltenswert.Nachdem die Ursulinen das Gebäude samt den darin befindlichen Kunstwerken verkauft hatten, wurde es 1963-1968 als Studierendenwohnheim adaptiert.

Start der Restaurierungen und Schutzmaßnahmen für das Theatrum Sacrum

Im Zuge einer Sanierung des gesamten Gebäudes starteten auch in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt die ersten Maßnahmen zur Erhaltung dieses einzigartigen Gesamtkunstwerks. Die stark verstaubten und von Schimmelpilz befallenen Vitrinen wurden 2013 gereinigt und gefährdete Bereiche mit Japanpapier abgeklebt. Außerdem wurde ein System zur Überwachung der Luftfeuchtigkeit installiert, um ein stabiles Raumklima zu gewährleiten.

Die besonders beschädigte Nische samt Figur des Hl. Franziskus von Borgia diente anschließend als „Testlauf“ für die weitere Restaurierung. Auf Basis dieser Erfahrungen werden seither nach und nach weitere Nischen bearbeitet.

Hl. Thekla und Hl. Franz Xaver zeigen sich wieder in ihrer ganzen Pracht

Kürzlich konnten zwei weitere Nischen fertiggestellt werden: jene mit den Figuren der Hl. Thekla und des Hl. Franz Xaver.

Der Weg dorthin war aufwendig: Zuerst mussten die etwa 3 m hohen, verglasten Holzrahmen der beiden Nischen vorsichtig ausgebaut werden. Das Glas ist nur etwa drei Millimeter dünn und entsprechend empfindlich – hier war höchste Sorgfalt gefragt.
Nur ohne Rahmen war es möglich, die lebensgroßen Figuren und dazugehörigen Kulissenteile zu entnehmen, um sie in die Werkstätten der jeweiligen Restauratorinnen bringen zu können.
Ein Jahr arbeiteten die hoch spezialisierten Restauratorinnen an den Objekten. Die Figuren hatten Risse im Holz, starke Verschmutzungen und Fehlstellen aufgrund von Holzschrumpfung.

Im April dieses Jahres konnte dann eine weitere, auf Wandmalereien spezialisierte Restauratorin ihre Tätigkeit starten. Die Wandflächen wurden gereinigt, Ausbrüche gekittet und kleinere Retuschen an den Fresken vorgenommen. Anschließend setzte man die bemalten Rückwände, Seitenteile und Bogenlaibungen wieder ein. Zu guter Letzt wurden die Figuren wieder aufgestellt.

Mit der Fertigstellung dieser beiden Nischen ist ein weiterer wichtiger Schritt geschafft – und gleichzeitig der Startschuss für die nächsten Etappen gefallen. Denn das Ziel bleibt, das gesamte Theatrum Sacrum langfristig zu sichern und für kommende Generationen zu erhalten.