Jannis Kounellis war einer der wichtigsten Vertreter der Arte Povera, einer einflussreichen italienischen Kunstbewegung der 1960er/1970er Jahre, die gewöhnliche Materialien aus dem Alltag der Menschen nutzte, um die Trennung von Kunst und Leben aufzuheben.
Arte Povera fokussierte sich auf prozesshafte, raumgreifende Installationen – genau wie Jannis Kounellis mit seiner vierteiligen Intervention im RESOWI-Gebäude der Universität Graz. Bestehend aus den Materialien Steinkohle, Stein, Jute, Stahl und Holz thematisiert sie Evolution, Dialektik und die Kulturgeschichte der Menschheit.
Die skulpturalen Eingriffe in das von Günther Domenig und Hermann Eisenköck geschaffene Gebäude sind nicht unbedingt dezidiert im Kontext des Bauwerks entstanden; vielmehr sind es „Bilder“ (wie Kounellis seine Objekte nannte), die er in den 1990er Jahren entwickelte und immer wieder – jeweils abgestimmt auf die räumlichen Gegebenheiten – in verschiedenen Situationen zeigte.
Als letzte erhaltene raumgreifende Arbeit im (halb-)öffentlichen Raum von Jannis Kounellis weltweit waren für die vier Installationen im RESOWI nach 30 Jahren im universitären Umfeld bereits seit längerer Zeit konservatorische Maßnahmen nötig.
Anfang 2026 konnten alle Objekte von den Restaurator*innen Lea Huck und Christoph Melichar gereinigt, restauriert und – nach einigen statischen Verbesserungen – die später hinzugekommenen Sicherungsmaßnahmen, vor allem am großen Holzbalken, zurückgenommen werden. Die Arbeiten erfolgten in Zusammenarbeit mit dem Seiler Nikolaus Eisserer und der Schlosserfirma Stahlbau Lex. Die vier Installationen sind nun wieder in ihrer ursprünglichen Erscheinungsform zu besichtigen.
Die vorbereitende Recherche der Restaurator*innen hat zu interessanten Erkenntnissen über die künstlerische Arbeit geführt: so wurde eine fünfte Installation geplant, jedoch nie fertiggestellt. Ein großer Stahlrahmen vor einer Betonwand zeugt davon.