Eugen Hein - Schrift auf der Haftmauer (2005)

Justizzentrum Leoben, Dr. Hanns-Groß-Straße 7+9, 8700 Leoben

Architektur: Josef Hohensinn Architektur

Der aus Graz stammende Künstler Eugen Hein hat den Artikel 1 der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, Resolution 217 (III) der Generalversammlung der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948 sowie den Artikel 10 des „Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte“ vom 19. Dezember 1966 an der Nord- und Ostseite der Mauer der Justizanstalt angebracht. Die beiden Texte wurden in einer Länge von etwa 100 Metern im oberen Bereich der Betonmauer in Sandstrahltechnik ausgeführt.

Schrift auf der Haftmauer

 

Wenn auch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte – vor allem in der gegenseitigen Gewichtung einzelner Rechte – zwischen den Ländern aus kulturellen Gründen strittig ist und es auch noch bleiben wird, so gelten die Menschenrechte immer noch als der harte Kern der Freiheitsrechte und definieren im Wesentlichen die Rechte des einzelnen gegenüber der Staatsgewalt. Auch in einem modernen Land wie Österreich zeigt die Erfahrung, dass die geforderten Rechte nicht immer von allen als Selbstverständlichkeit begriffen werden. Mit dem Sichtbarmachen von Sätzen wie „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ an der Mauer der Justizanstalt in Leoben ruft der Künstler Eugen Hein jedem einzelnen, der sich der Justizanstalt nähert, in Erinnerung, dass jeder Mensch Rechte und Freiheiten hat, egal welchem Geschlecht oder welcher Religionsgemeinschaft er angehört. Es liegt nahe, auf die Menschenrechte genau an diesem Ort hinzuweisen, an dem der Einzelne einem wichtigen Organ der Gesellschaft – der Staatsgewalt – begegnet.

 

Sicherheitsmauer OST:

"JEDER DEM SEINE FREIHEIT ENTZOGEN IST MUSS MENSCHLICH UND MIT ACHTUNG VOR DER DEM MENSCHEN INNEWOHNENDEN WÜRDE BEHANDELT WERDEN." INTERNATIONALER PAKT ÜBER BÜRGERLICHE UND POLITISCHE RECHTE VOM 10. DEZEMBER 1966 VEREINTE NATIONEN

 

Sicherheitsmauer NORD:

"ALLE MENSCHEN SIND FREI UND GLEICH AN WÜRDE UND RECHTEN GEBOREN SIE SIND MIT VERNUNFT UND GEWISSEN BEGABT UND SOLLEN EINANDER IM GEISTE DER BRÜDERLICHKEIT BEGEGNEN." ALLGEMEINE ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE VOM 10. DEZEMBER 1948 VEREINTE NATIONEN

 

Andachtsraum

Der von Eugen Hein konzipierte, archaisch wirkende Andachtsraum wurde in Sichtbeton ausgeführt und stellt eine starke Antithese zur transparenten Architektur dar. Eugen Hein hat für den Andachtsraum drei Ölbilder gemalt, die formal in feinen weißen Abstufungen gehalten sind, weiße Farbfelder, die symbolisch in ihrer Immaterialität für Toleranz und Offenheit stehen.

 

Ein weiteres Element des spirituellen Raumes ist ein Wasserbecken, das keinen Wasserzufluss aufweist, sondern immer wieder mit Wasser befüllt werden muss, das im Laufe der Zeit verdunstet. Das Becken ist ein Zitat sowohl der Weihwasserbecken in christlichen Kirchen als auch der Brunnen im Hof von Moscheen und ist durch seine Neutralität in der Komposition für alle Konfessionen annehmbar.

 

„JOSEF ADAM, HERBERT BAUR, LACHLAN BLAIR, EUGENIUS CHARALAMBOUS, AUGUST CHRISTINER, PAUL EICHER, WOLFGANG ELSNER, IRENE FALKNER, HANS FICK, FRANZ FLEISCHMANN, BERNHARD GÖSCHL, ANJA HASENLECHNER, CHRISTIAN HEBERGER, SEPP HOHENSINN, HERBERT KURI, HELMUT LANZ, MICHAEL NEIDER, JOSEF OBERNOSTERER, ARMIN PIRNAT, FRANZ RIJAVEC, WALTER ROSSACHER, CHRISTIAN SCHNATTLER, JOSEF SCHNEIDER, MANFRED SEIDL, ROBERT TRISCHITZ, WERNER TROGER, BETTINA VOLLNHOFER, BRUNO WILDBACH, WOLFGANG, MONIKA ZBIRAL, HANS ZECHNER, ANDREAS ZMUGG – IHNEN ALLEN MÖCHTE ICH DANKEN.“ Eugen Hein

Eugen Hein

geb. 1956 in Graz; Technisches Studium an der TU Graz; 1976 Beginn der künstlerischen Arbeit; 1979 Förderungspreis der Gesellschaft der Freunde der Neuen Galerie Graz, vorläufige Beendigung der künstlerischen Arbeit; 1990 Wiederaufnahme der künstlerischen Arbeit; 1994 Annahme der Ziviltechnikerbefugnis; 2001 Rückgabe der Ziviltechnikerbefugnis; 2002 Ausstellungsbeteiligung Graz Intern, Forum Stadtpark; auf Einladung von Heidulf Gerngross: Malerei in der Casa Privata, Österreichischer Pavillon, Biennale Venedig; Personale im Ecksaal des Landesmuseums Joanneum, steirischer herbst; 2003 Ausstellungsbeteiligung, LacANDona, Wien.

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