Tatiana Lecomte - Ein mörderischer Lärm (2015)

Kurzfilmprojekt für St. Georgen an der Gusen

Am Morgen des 16. Januar 1944 nimmt die Gestapo in Mussidan, einem kleinen Dorf im Südwesten Frankreichs, 36 Menschen fest, die verdächtig sind der Résistance geholfen zu haben. Unter ihnen befinden sich Jean-Jacques Boijentin und sein Vater Maurice. Beide werden zuerst nach Buchenwald und Mauthausen, dann nach Gusen I nahe St. Georgen an der Gusen in Oberösterreich deportiert. Jean-Jacques Boijentin kommt schließlich in das KZ Gusen II, wo er beim Bau des unterirdischen Flugzeugwerks "B8 Bergkristall" als Elektriker Zwangsarbeit leisten muss.

 

Im Stollen von Gusen sind heute kaum Geräusche zu hören. Dennoch wissen wir aus Erzählungen, dass die Anlage zur Zeit ihrer Nutzung von einem Höllenlärm erfüllt war. Um der Stummheit des leeren Stollens entgegenzuwirken, macht sich Tatiana Lecomte in ihrem Film auf die Suche nach dem Lärm.

Foto: Tatiana Lecomte Foto: Tatiana Lecomte

"Ein Teil der Stollen ist heute zugänglich. Schwere Maschinen kamen zum Einsatz; Lärm, Staub und Dunkelheit prägten diesen Ort, Menschen wurden geschlagen und ermordet. Die heutige Stille gibt davon keinen Eindruck. Auch ein Film kann das nicht. Der Film von Tatiana Lecomte nähert sich den Ereignissen, indem er sich einem Menschen nähert, der das alles erlebt hat. Ein herkömmliches Erzählen findet nicht statt, vielmehr begegnet der Zeitzeuge einem jungen Mann und seinen technischen Fähigkeiten. Eine Aufgabe ist zu meistern. Der nüchterne Zugang verändert die Koordinaten und spiegelt das Prozesshafte von Erinnerung. Das Ungeheuerliche tritt beiläufig auf, und umso eindringlicher."

(Rolf Wienkötter)

Tatiana Lecomte
Geboren 1971 in Bordeaux, lebt und arbeitet in Wien.
1991-1992 Académie des Beaux-Arts, Lyon. 1993-1995 Meisterklasse für Malerei, Graz. 1995-2002 Universität für angewandte Kunst Wien. 1998-2000 Gerrit Rietveld Academie, Amsterdam.
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