Wettbewerb Kurzfilm Gusen (2013)

St. Georgen an der Gusen
Catrin Bolt "Wir sind die Schatten unserer Vergangenheit" Catrin Bolt "Wir sind die Schatten unserer Vergangenheit"
Catrin Bolt "Wir sind die Schatten unserer Vergangenheit"
Tatiana Lecomte "Ein mörderischer Lärm" Tatiana Lecomte "Ein mörderischer Lärm"
Tatiana Lecomte "Ein mörderischer Lärm"

Die KünstlerInnen CATRIN BOLT und TATIANA LECOMTE konnten am 17. Jänner 2014 den von der BIG geladenen künstlerischen Wettbewerb "Kurzfilm Gusen" für den Stollen in St. Georgen an der Gusen mit ihren überzeugenden Arbeiten für sich entscheiden. 

 

Gesucht war ein Konzept für einen künstlerischen Kurzfilmbeitrag zum Stollen in Gusen und dessen Geschichte während der NS-Zeit. Interviews mit noch lebenden Zeitzeugen sollten ebenfalls in die Filme einfließen, um die Geschehnisse für Interessierte erleb- und erfahrbar zu machen.

 

Die Jury begründete die Entscheidung für die Siegerprojekte folgendermaßen:

 

„Der Entwurf von Catrin Bolt sieht drei bis vier Infrarot-Kameras vor, die verschiedene Ansichten des Stollens durchgehend filmen. Die Kameras werden über programmierte Bewegungsabläufe gesteuert, sodass sie immer ein bewegtes Bild aufnehmen, das auch über eine Website abrufbar ist. Die Bilder werden akustisch von Ausschnitten aus Interviews mit Überlebenden begleitet. Der Film wird auch jene Teile des Stollens live übertragen, die derzeit nicht begehbar sind. Das Konzept hat die Jury vor allem wegen  der Einzigartigkeit der Idee überzeugt, die Infrarot-Kameras werden interessante ästhetische Bilder der Wirklichkeit wiedergeben.

 

Das Filmkonzept von Tatiana Lecomte vermittelt die Geschichte eines Zeitzeugen vor allem auf der Ebene des Tons: In Zusammenarbeit mit einem Geräuschemacher werden Erinnerungsstücke der Klangkulisse des Zeitzeugen wiedergegeben. Damit wird die Einzigartigkeit eines Schicksals auf einer völlig neuen Ebene der Erinnerung wiedergegeben. Auf diese Weise wirkt der Film der Stummheit des leeren Stollens entgegen und der Prozess des Erinnerns wird hörbar und sichtbar gemacht.“

Jury
Klaus-Jürgen Bauer

Katharina Blaas

Gregor Eichinger

Rudolf Haunschmied

Gregor Holzinger

Martin Hübner

Ralf Lechner

Eva Schlegel

Nicole Six

Erich Wahl

 

TeilnehmerInnen
Catrin Bolt
Martin Krenn

Tatiana Lecomte

Ernst Logar

Nicole Szolga

SIEGERPROJEKT 1:

Catrin Bolt

"Wir sind die Schatten unserer Vergangenheit"
Über Infrarot-Kameras werden verschiedene Ansichten des Stollens permanent gefilmt. Die dabei entstehenden be- wegten Bilder sind, wie bei einem Wetterpanorama, ständig über eine Website live abrufbar. Sie holen den teilweise unbegehbaren Stollen wieder an die Oberfläche. Die Bilder werden akustisch von Ausschnitten der Interviews mit Überlebenden begleitet, in denen sie über ihre Rolle als Zeitzeugen, die Wahrnehmung in der Gesellschaft und die Beeinträchtigung ihres Lebens sprechen. Sowohl in den Bildern als auch der Tonspur liegt der Fokus auf den Spuren, die Dinge und Ereignisse hinterlassen. 

 

 

Tatiana Lecomte "Ein mörderischer Lärm"

SIEGERPROJEKT 2:

Tatiana Lecomte 

"Ein mörderischer Lärm"

Aus Erzählungen wissen wir, dass die Stollen zur Zeit ihres Aufbaus von einem Höllenlärm erfüllt waren. Um der Stummheit der nunmehr leeren Stollen entgegenzuwirken, möchte die Künstlerin in ihrem Film auf die Suche nach dem Lärm gehen: Im Dialog mit einem ehemaligen Insassen des KZ Gusen soll ein Geräuschemacher einzelne Klangebenen aus dem „ohrenbetäubenden Getöse“ herausarbeiten und wiedergeben. Gefilmt wird die Bemühung beider Männer, Erinnerungen in Klänge zu übersetzen. Dabei wird der Erinnerungsprozess selbst dargestellt: Das Lückenhafte, Zögernde, Fragmentarische, Verzerrte, das dem Gedächtnis inhärent ist, soll sichtbar gemacht werden.

 

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Martin Krenn "Wiedersprechen"

Martin Krenn

"Wiedersprechen"

Der Kurzfilm „Wiedersprechen“ zeigt im ehemaligen NS-Stollen „Bergkristall“ drei Jugendliche aus der Region Gusen/St. Georgen, welche von Ereignissen aus einer Zeit, die sie nicht erlebt haben, berichten. Konträr zur Authenti- sierung und Emotionalisierung von Geschichte durch ZeitzeugInnen im Film, wird der Blick auf die Funktion des Sprechaktes selbst gelegt. Die Worte und Aussagen eines einzigen Zeitzeugen stehen im Mittelpunkt. Durch die Verfremdung des Sprechaktes, das „Wiedersprechen“, werden seine Worte filmisch verstärkt und aktualisiert.

 

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Ernst Logar "ohne Titel"

Ernst Logar
ohne Titel

Der geplante Kurzfilm zeigt das Wiederbetreten des Stollensystems „Bergkristall“durch einen Zeitzeugen, der während des Krieges an diesem Ort Zwangsarbeit verrichten musste. Die Stollenatmosphäre wird mit der Geschichte des Zeitzeugen und der historischen Stollenakustik aufgeladen, dadurch wird die Identifikation des Betrachters mit den Zeitzeugen ermöglicht. Am Anfang und am Ende des Films wird mittels eines Düsenflugzeugs auf das Endprodukt der vernichtenden Arbeit der KZ-Häftlinge aufmerksam gemacht.

 

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Nicole Szolga "Gusen II"

Nicole Szolga
Gusen II

Fünf Fotografien stehen hier als Anfang für die Kapitel einer Narration die vom Betrachter/von der Betrachterin selbst entwickelt wird. Über einen Touchscreen können selbständig Recherchen geführt werden. Es bleibt einem selbst überlassen, in welche Erzählung, die sich in der Bildlandschaft verbergen, man tiefer einsteigen will. Diese sind via Buttons auf dem Foto anklickbar. Es eröffnen sich weitere Erzählungen, die sukzessiv das Kapitel vervoll-ständigen und sich zu einem Gesamtbild verdichten. 

 

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